Kontakt: info at matthias - bader dot de Stand: 17.April 2009
Ein Isolation Cabinet bietet viele Vorteile, nicht nur beim Homerecorden, sonder auch auf der Bühne. Beim Homerecorden ist es primär der Lärm, der eingedämmt wird, aber auch die Möglichkeit den Amp mal so richtig aufzudrehen um eine Sättigung und somit einen anderen Sound zu erreichen.
Auf der Bühne ist es auch ganz klar der Lärm der auf der Bühne eingedämmt wird, aber auch hier besteht wieder die Möglichkeit, den Amp aufzudrehen. Zudem hat der FOH Mann ein „sauberes“ Gitarren Signal, ohne Drums und Bass, auf dem Mischpult. Der Gitarrist bekommt dann eine angemessene Dosis auf den Monitor oder sein InEar.
Was kostet denn so ein IsoCab wenn man sich ihn kauft? Das einzige Modell, das ich kenne ist von Randall und heißt „Isolation 12C“. Kostenpunkt ca 550 EUR.
Also ist selber bauen angesagt. In meinem Fall, habe ich eine Box für meinen Bruder gebaut. Überlegt hatten wir uns, was rein muss - demnach errechnen sich dann auch die Ausmaße:
-Celestion Vintage 30 Speaker (12“)
-3 Mikrofone
-eine sehr gute Schalldämmung nach außen
Um nun die Eckmaße der Box zu berechnen, mussten wir herausfinden, welchen Dämmstoff wir nehmen können und welche Maße dieser hat. Fündig sind wir hier geworden: www.axifoam.de Das Modell heißt „SH 001“ und bietet bereits ab 250Hz einen Absorptionsgrad vom ~1,0 was für unseren Fall sehr gut ist. Unterhalb 250Hz nimmt der Wert dann zwar drastisch ab, doch das soll nicht stören. Ziel ist es ja auch nicht gewesen gar nichts außerhalb der Box zu hören, sondern die Lärmbelästigung zu senken. Die Akustilmatten gibts in den Maßen 8x50x100cm und kommen zu 4 Stück in einem Karton zu ca 55 EUR.
Somit ergibt sich bei unserer Box ein Maß von 30cm (Durchmesser des Speakers) + 2x8cm Schaumstoff. Also 50x50cm. Da wir 3 Mikrofone einbauen wollen, und der Speaker nach hinten auch etwas Raum braucht, haben wir uns auf eine Höhe von 100cm geeinigt.
Der Kleber hat zusammen mit dem Filz die Eigenschaft, das er a) klebt, b) sich wie ein Klettverschluss wieder lösen lässt, und c) danach auch direkt wieder klebt. Schneidet also für die beiden Stirnseiten ein Stück Filz aus und klebt es unter die Überlappungen.
Mit einem Winkel oder Stahllineal und einem CutterMesser mit neuer (!) Klinke kräftig durch beide überlappenden Lagen schneiden. Nun kann man die oben und unten frei geschnittene Lage entfernen und hat eine bündige Naht.
Ist dieser Schritt getan, kann man auf den Kopfseiten direkt die Klappgriffe montieren. Ich vertraue hier den SPAX Schrauben nicht. Deswegen habe ich durch das Holz gebohrt und mit Unterlegscheibe und Mutter gekontert. Das sollte definitiv halten.
Die Füße können nun auch Montiert werden. Ich habe mich entschieden einmal auf der unteren Längsseite und einer Kopfseite Füße zu montieren - so steht das Gefährt auch aufrecht und hat zum Boden hin weniger Kontaktfläche, was der Schallübertragung nur gut kommen kann.
Im gleichen Atemzug können die fertigen Anschlusspanels eingeschraubt werden. Bei den Steckern und Buchsen verwende ich ausschließlich Neutrik Produkte. Die Kabellänge habe ich mit einem Meter bemessen. Zudem habe ich farbige Kabel verwendet: Rot, Gelb und Blau. Hat einfach den Hintergrund, dass man die Kabel nicht umständlich durchnummerieren muss, sondern am Anschlusspanel direkt sehen kann wo ich nun das Mikro, das am blauen Kabel hängt abgreifen kann.
Zu den Hörbeispielen:
Über einige Bodentreter, einem Fender Hot Rod Deluxe, der neuen Box, wurde das Signal von drei Mikrofonen erwartet:
-Sennheiser e906
-Shure SM57
-Audio Technika AT4040
Verstärkt durch ein RME Quadmic, gewandelt durch ein RME FireFace wurde dann in Logic aufgenommen. Die hier veröffentlichten Files sind mit 92KBit/s Mono exportiert.
Noch eine kleine Anmerkung:
Der Amp ist bei den verzerrten Sachen bis zum Anschlag aufgedreht - trotzdem konnte ich mich ganz normal mit jemanden unterhalten. Die Preamps meiner Mikrofone waren NICHT aufgedreht, also links am Anschlag. Hätten die Preamps PADs, hätte ich sie sicher aktiviert.
Clean:
e906: e906.mp3
SM57: sm57.mp3
AT4040: at4040.mp3
Ampzerre:
e906: e906.mp3
SM57: sm57.mp3
AT4040: at4040.mp3
Bodentreter Zerre 1:
e906: e906.mp3
SM57: sm57.mp3
AT4040: at4040.mp3
Bodentreter Zerre 2:
e906: e906.mp3
SM57: sm57.mp3
AT4040: at4040.mp3
Cleaner Chorus + Delay:
e906: e906.mp3
SM57: sm57.mp3
AT4040: at4040.mp3
Hier ein ZIP File, wo alle Dateien nochmal zusammen drin sind. Mit dabei sind auch die DI Signale:
Fazit:
Ich bin für‘s Erste sehr zufrieden mit der Box. Ein paar Kinderkrankheiten sind noch zu entfernen, als da wäre, ein paar Frequenzen, die z.B. Handgriffe schnarren lassen. Jedoch ist das reine Kosmetik, da man auf den Aufnahmen nichts davon hört.
Zum Ermitteln der richtigen Positionen schraubt ruhig die Vorgesehen Mikros auf die Schwanenhälse und probiert verschiedene Positionen durch. Anschließend direkt mit der Box verschrauben. Die Kabel werden sauber auf dem Boden mit Nagelschellen und an den Stativen mit je 2 Kabelstrapsen befestigt.
Die Positionen der Schwanenhälse werden im X-Y Raster ausgemessen und auf die bereits zurechtgeschnittene Akustikmatte übertragen. Dort wo die Stative rauskommen einfach ein kleines Kreuz einschneiden und die Matte in die Kiste einsetzen.
Messt den Speaker genau im Durchmesser. Dann umdrehen und die Randstärke errechnen. Ich bin so auf ein Loch von ca 28cm gekommen. Bei der letzten 50x50cm Platte ermittelt ihr über die Diagonalen die Mitte und nehmt einen Zirkel, bzw bastelt den selber. Anschließend mit der Stichsäge aussägen und den Speaker mit Unterlegscheiben oben und unten verschrauben. Anschließend könnt Ihr die Platte schon mit der restlichen Box verschrauben. Auch hier auf den rechten Winkel achten! Ich habe den Speaker nicht genau in die Mitte gesetzt, sondern mich für eine 60:40 Aufteilung entschieden. So wird es mit den Mikros später nicht so eng.
Bohrt in die Speaker Platte in der Nähe der Anschlusspanels noch ein Loch - so lässt sich das Kabel für den Speaker besser verlegen.
Um eine Stabile Bauweise zu erreichen, ohne aber viele Metallwinkel zu verschrauben, habe ich eine verschachtelte Bauweise gewählt (siehe Bild). Dabei sind die Innenmaße 50x50cm. Die Maße der 4 Außenplatten Sind dann 50x100cm + die Stärke des Holzes. In meinem Fall 1,9cm. Macht also 51,9x100cm.
Als Baustoff bietet sich Sperrholz, MDF und Multiplex an. Mit Multiplex jedoch wäre alleine Das Gehäuse nicht nur sehr schwer, sondern auch sehr teuer geworden. Ähnlich die MDF Variante. Der qm liegt in den Baumärkten bei ca 19 EUR incl Zuschnitt. Die 1,9cm dicke Sperrholz Variante schlägt mit ca 8 EUR incl. Zuschnitt zu Buche.
Somit ergibt sich folgender Zuschnitt:
-3x 1,9x50x50cm
-4x 1,9x51,9x100cm
Aber Achtung! Ich habe schon sehr schlechte Erfahrungen mit dem Zuschneiden von Holz in Baumärkten gemacht. Kontrolliert am besten direkt nach dem Zuschnitt mit einem Winkel und einem Maßband (gibt‘s zum Glück in jedem Baumarkt ;)
Der Zusammenbau der Box geht mit 2 Personen dann sehr schnell. Dafür braucht Ihr dann Zusätzlich eine Schachtel mit 4,5x50 SPAX Schrauben und Holzleim. Den Deckel lasst Ihr natürlich ab! Achtet beim Zusammenbau drauf auf, dass Ihr bündig und im rechten Winkel arbeitet. Zeichnet euch die Abstände der Schrauben (4 auf der schmalen Seite und 6-7 auf den langen Seiten) an und Bohrt ggf. mit nem 8er Bohrer 5mm ein, damit die Schrauben Köpfe auch sauber versenkt sind. Beim Schrauben selbst aufpassen, das die Schraube das Holz nicht spaltet. Vorher natürlich Holzleim auf die Kanten geben!
Im Anschluss kann mann dann die Innenkanten mit Silikon abdichten. Nehmt da das billigste was der Baumarkt zu bieten hat (1EUR die Tube). Ich habe das nur gemacht um ggf der eintretenden Feuchtigkeit noch etwas entgegen zu wirken. Ob es Auswirkungen auf den Schall hat der vll raus will, kann ich nicht sagen.
Bevor wir zum Speaker kommen, messen wir aus, wo die Anschlusspanels hinkommen. Da ich einen Speaker + 3 Mikros habe, sind es 2 Panels. Anzeichnen und aussägen!
Für den nächsten Schritt, dem Bespannen mit Filz empfehle ich Sprühkleber. Bei meinem letzten Projekt habe ich Kontaktkleber aus der 750ml Dose verwendet. Es klebt wie die Hölle, aber es ist sehr teuer, da man das Holz und den Filz einstreichen muss. Der Eimer kostet ca 15 EUR und man kommt gerade mal 1,5qm weit damit. Sind also bei knapp 3qm (Beidseitig 6qm) mal eben 60 EUR. Stattdessen habe ich diesmal einen Sprühkleber probiert. Da reichen 2 große Dosen locker aus und das Ergebnis ist sehr gut.
Also: Das Holz gleichmäßig einsprühen, 15min den Kleber ziehen lassen und dann (am besten wieder zu zweit) den Filz auflegen und mit der Hand glatt streichen. Lasst an den Kopfseiten ca 5cm überstehen und verklebt diese ebenfalls! Da es sich ebenfalls um einen Kontaktkleber handelt ist hier Druck entscheidend. Ich habe die Deckelplatte auf das Filz gelegt und dann mit 2 Kisten Wasser beschwert. Nach 15min gings dann weiter. In der Zwischenzeit kann man sich dann den Kanten zu wenden. Hier empfiehlt es sich dann aber, Holz und Filz einzusprühen.
Im inneren kann es nun weitergehen. Wir wollen uns alle Möglichkeiten offen lassen und bei der Mikrofonierung so flexibel (im wahrsten Sinne des Wortes) wie möglich bleiben. Aus diesem Grund haben wir 3 Mikrofone vorgesehen, die auf 20cm Schwanenhälsen und einem kleinen Fuß verschraubt werden. Die Schwanenhälse sind 2cm dick, halten also auch Kopfüber ein schwereres Großmembranmikrofon samt Spinne aus, ohne sich von Allein zu verbiegen.
Nun heißt‘s eigentlich nur noch die restlichen Akustikmatten zu zuscheiden. Dabei genau messen und immer ein wenig dicker schneiden, so dass man die Matten beim Einsetzen etwas stauchen muss. Das hat den Vorteil, das man die Matten nicht zwingend verkleben muss. Die oberste Matte bleibt dann auch von allein stecken und muss ebenfalls nicht dem Decken verklebt werden.
Da mir das Modell Kühlschrank vorschwebte, soll sich die Deckelklappe natürlich auch öffnen lassen. Dazu nehmt bitte dicke Scharniere und kontert die Schrauben wieder mit einer Unterlegscheibe und eine Mutter. Nehmt Ihr Klavierband, besteht die Gefahr, das euch das Holz richtig böse ausreißt (eigene Erfahrung). Um die Kiste auch richtig zu verschließen habe ich im Baumarkt Schnappverschlüsse, ähnlich wie an einem Koffer gefunden.
So - Lastkabel an die Buchse und mit dem Amp verbinden und los geht‘s. Die Kiste dämmt schon recht gut. Leider verliert man jegliches Gefühl für die Lautstärke. Wir haben die Standard „Ich übe heute mal zuhause“ Einstellung am Amp gelassen und dann so hoch gedreht, das in etwa das an Lautstärke raus kommt, die bei einer Wohnzimmer Session entsteht.
Fazit: Würde man den Lautsprecher in einer offenen Box mit den Einstellungen betreiben, würde man binnen Minuten taub! Jetzt heißt es noch, ggf. durch abkleben, einige Störenfriede zum schweigen zu bringen. Dazu gehören zum einen die Griffe, aber auch die Anschlusspanels, die bei einer gewissen Frequenz mitschwingen.
Zum Schluss eine Übersicht der gekauften Teileals PDF File: Teileliste.pdf
Alles in Allem sind wir bei 372 EUR gelandet. Man mag nicht meinen, wie teuer Schrauben und Kleinkram sein kann. Aber auch vernünftige XLR Stecker / Buchsen, etc kosten halt was. Jedoch, ist es unterm Strich günstiger als die fertige Box.
Bestimmt kann man hier und da noch variieren und den Preis nach unten drücken, aber selbstgebaut ist doch irgendwie immer am schönsten.
So Weit!
Matthias